Am 5. April hat ein 12-jähriges Mädchen einen Kommentar in den Tagesthemen gesprochen. Ein 13-jähriges Mädchen aus Lugansk hat der deutschen Jugendlichen mit einem offenen Brief geantwortet.

Dass die wichtigste Spät-Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens, die Tagesthemen, ein Kind den Kommentar sprechen lassen, habe ich schon ausführlich kommentiert. In Nachrichtensendungen erwartet der Zuschauer Nachrichten und Experten, aber keine Kinder-Kommentare. Dafür gibt es die Sesamstraße. Außerdem ist die internationale Politik komplex und Kinder sind zum Beispiel nicht ohne Grund nicht strafunmündig, weil sie viele komplexe Zusammenhänge nicht erfassen können. Daher war das, was die Tagesthemen getan haben, in meinen Augen Kindesmissbrauch, denn sie haben ein Kind für ihre Propaganda missbraucht.

Die Meinung von Jugendlichen zu hören ist wichtig, aber dafür gibt zum Beispiel Talkshows oder auch Sendeformate mit Interviews, wo sie ihre Meinung mit anderen diskutieren können. Aber sie als Kommentatoren in einer Hauptnachrichtensendung einzusetzen, soll die Zuschauer emotional beeinflussen, aber nicht informieren. Und die emotionale Beeinflussung der Zuschauer ist per Definition Propaganda.

In Russland ist diese Propaganda-Veranstaltung der ARD – gelinde gesagt – nicht auf Verständnis gestoßen, weil man in Russland dagegen ist, Kinder politisch zu instrumentalisieren. Allerdings gibt es auch in Russland politisch aktive Kinder, die aber keine Kommentare in Nachrichtensendungen sprechen, jedoch durchaus in Talkshows eingeladen werden, um ihren Standpunkt zu erklären.

Faina Savenkova

Ein solches Kind, das es aus eigener Kraft geschafft hat, in Russland eine gewissen Bekanntheit zu erreichen, ist die 13-jährige Faina Savenkova aus Lugansk. Sie lebt seit ihrem fünften Lebensjahr im Krieg und ist damit aufgewachsen, dass sie Explosionen und Beschuss ihrer Stadt erlebt. Sie hat irgendwann eine Videobotschaft für die UNO aufgenommen, in der sie um Frieden im Donbass gebeten hat und die viral gegangen ist. Danach ist sie sofort auf der ukrainischen Seite Mirotvorets gelandet, Informationen über diese Seite finden Sie weiter unten in diesem Artikel.

2021 sollte es deswegen sogar ein Treffen von ihr mit dem Direktor von UNICEF geben, das aber von der Ukraine verhindert wurde. Danach hat sie angefangen, offene Briefe an westliche Regierungschefs und den Papst zu schreiben. Auch bei einer Veranstaltung der UNO ist sie aufgetreten.

So wurde sie von den Medien entdeckt und in Fernsehsendungen eingeladen. Sie ist bei ihren Auftritten wortgewandt und selbstsicher und genauso eloquent, wie in ihren Briefen. Sie ist also, im Gegensatz zum Beispiel zu dem Twitter-Mädchen aus Aleppo, keine von irgendwelchen Organisationen geschaffene Kunstfigur, die dann im wahren Leben keine zusammenhängenden Sätze herausbringt.

Ich habe heute Kontakt mit Faina aufgenommen und wir haben uns einige Chat-Nachrichten geschrieben, die sehr anrührend waren, denn sie hat mich vor der Gefahr gewarnt, dass jeder, der ihre Texte veröffentlicht, sofort bei Mirotvorets landet. Die Sorge des 13-jährigen Mädchens um meine Sicherheit waren rührend und sie hat mich davor gewarnt, ihren Brief zu veröffentlichen.

Faina hat Ella, der Kinder-Kommentatorin der Tagesthemen, einen offenen Brief geschrieben, den ich übersetzt habe. Vielleicht erfährt Ella ja davon und die beiden können sich mal austauschen. Und vielleicht nimmt Ella die Einladung von Faina an, sich in Lugansk selbst ein Bild zu machen?

Kommen wir zu der Übersetzung von Fainas Brief an Ella. Im Anschluss an die Übersetzung werde ich ein paar Dinge zum besseren Verständnis erklären und dann zeige ich auch noch einen anderen Artikel von Faina, der dem Spiegel gewidmet ist, denn sie hat vor einigen Jahren zufällig Christian Esch, den Chef des Moskauer Spiegel-Büros, getroffen und auch ihm im April 2022 einen Text gewidmet.

Beginn der Übersetzung:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert